Eine Kirche für Fuhlsbüttel


 

 

Im Jahr 1267 wird die „Kirche Eppendorf“ zum erstenmal in einer Urkunde erwähnt. „Es lässt sich erkennen, wie großflächig das Kirchspiel war: Es reichte vom Dammtor im Süden bis zur heutigen Stadtgrenze Am Ochsenzoll im Norden, von Eidelstedt im Westen bis nach Wellingsbüttel und Steilshoop im Osten. Das bedeutete einen Kirchweg von bis zu zwölf Kilometern“ (Festschrift „St. Johannis Eppendorf“ S. 32). Die „Riesengemeinde“ umfasste 1879 etwa 40.000 Seelen. Im Norden musste eine Kirche gebaut werden! Man fasste 1891 den Beschluss, auf dem „Fuhlsbüttlerberg“ eine „Eppendorfer Filialkirche für Fuhlsbüttel, Langenhorn und Klein-Borstel“ nach Plänen des Architekten Julius Faulwasser zu bauen. Diese Kirche wurde am 9. Juli 1893 eingeweiht. 1906 entstand neben der Kirche das Pastorat.

 

St. Lukas zu Fuhlsbüttel

 

Der erste Pastor der Gemeinde war der am 11. Dezember 1888 als zweiter Pastor in Eppendorf gewählte Pastor Edgar Schultze. Ihm wurde 1895 ein Hilfsprediger an die Seite gestellt: Pastor Hermann Groos. Im Jahr 1898 bekam die „Filialkirche“ den Namen „St. Lukas“. Für den Langenhorner Bereich wurde 1921 Pastor Friedrich Franz Wilhelmi eingestellt. Pastor Groos verstarb plötzlich, erst 51 Jahre alt, am 9. Mai 1922. Am 1. Oktober 1922 wurde St. Lukas von Eppendorf abgetrennt und selbständige Kirchengemeinde. Am 31. Dezember 1922 wurde Pastor Hermann Jungclaußen zum Nachfolger von Pastor Groos gewählt.

 

Am 15. Mai 1924 wurde ein Kindergarten zuerst in zwei Baracken, später im Erdgeschoss des nach den Plänen des Architekten Carl Wienand errichteten zweiten Pastorats Hummelsbüttler Kirchenweg 6 eröffnet. Leiterin wurde Gertrud Fiedler, die noch bis ins hohe Alter in der Fuhlsbüttler Gemeinde lebte. 1936 schied der langjährige Kirchendiener Carl Krohn aus dem Dienst der Kirchengemeinde. Sein Nachfolger wurde am 1. Januar 1937 Karl Mohr, der sein Amt bis 1957 ausübte. Margarethe Tisch und Katharina Gombert waren die Gemeindehelferinnen, die viele freiwillige Helferinnen und Helfer hatten.

 

 

Beginn der „Zach-Ära“

 

Am 25. September 1925 wurde der in der St. Lukas Kirche ordinierte Pfarramtskandidat Heinrich Zacharias-Langhans (später nur liebevoll „Pastor Zach“ genannt) als Hilfsprediger in St. Lukas eingestellt und am 3. April 1927 als Pastor von St. Lukas eingeführt. Pastor Jungclaußen verließ 1927 die Gemeinde. Ihm folgte Pastor Johannes Schoene. 1929 wurde eine neue Liturgie für den Gottesdienst entwickelt, die die Gemeinde dankbar angenommen hat. Die Gemeinde wurde mit dem tatkräftigen Einsatz des Kirchenmusikers Wilhelm Bihn zu einer „singenden Gemeinde“ . Auch die freiwilligen Chöre und der Fuhlsbüttler Posaunenchor unter der Leitung von Wilhelm Lütje gestalteten die Gottesdienste musikalisch mit. In der Zeit von Pastor Zacharias-Langhans, die bis 1965 währte, blühte das Gemeindeleben spürbar auf.  Es wird von einem wachsenden Gottesdienstbesuch, von erfreulicher Zunahme des Kindergottesdienstbesuches und von einem regen Leben in den vielen Kinder-, Jugend-, Frauen- und Männergruppen berichtet.

 

Am 24. August 1930 erhielt Langenhorn eine eigene Kirche, die Ansgarkirche, die jedoch noch zur St.-Lukas-Gemeinde gehörte. 1937 wurde am Maienweg 272 ein Kirchsaal für die ständig wachsende Gemeinde im Bezirk Fuhlsbüttel-Süd, der noch ein Teil der St. Lukas-Gemeinde war, eingerichtet, um auch dort Gottesdienst feiern zu können. Am 24. Sep­tember 1935 wurde die Ansgar-Kirchengemeinde in Langenhorn selbständig. Im Oktober 1935 wechselte Pastor Schoene an die Christuskirche in Eimsbüttel. An seine Stelle trat Pastor Lic. Hans Besch. Im Oktober 1935 erkrankte der Organist Wilhelm Bihn. An seine Stelle trat Fritz Strauch, der bis 1974 Kantor und Organist in der Lukas-Kirche blieb.

 

 

Die „neue“ Lukaskirche

 

Seit dem 1. April 1937 war Rudolf Timm, ein Fuhlsbüttler aus der St.-Lukas-Gemeinde, Pastor in Klein Borstel. Dort sollte der Architekt Bernhard Hopp eine Kirche bauen. Und da die Lukas-Kirche im Laufe der Zeit zu klein für die Gemeinde geworden war, sollte Bernhard Hopp auch über eine Erweiterung der Lukas-Kirche nachdenken. Schließlich hatte er einen genialen Einfall: die neue – erweiterte – Kirche sollte sozusagen „in“ die Gemäuer der alten Kirche gebaut werden. Als dann auf Geheiß des Reichsluftfahrtministeriums auch noch der Turm der Lukas-Kirche auf 23 m erniedrigt werden musste – für den neuen Turm zahlte die Kirchengemeinde ein Drittel, die Landeskirche ein Drittel und das Reichsluftfahrtministerium ein Drittel – wurde aus dem Umbau ein fast vollständiger Neubau der St. Lukas-Kirche. Am 4. Advent 1938 wurde die „neue“ St. Lukas-Kirche eingeweiht, eine Woche nach der Einweihung der Maria-Magdalenen-Kirche in Klein Borstel. Und das alles mitten in der Nazizeit! Die Gemeinden nahmen die Kirchen mit Freude und tiefer Dankbarkeit gegen Gott in Besitz und fanden unter ihren schützenden Dächern – besonders in der nun  folgenden Kriegszeit – Stille, Geborgenheit, Trost und Glaubenszuversicht.

 

 

St. Lukas während des zweiten Weltkrieges

 

Seit der sog. „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 wurde die Judenverfolgung auch in Fuhlsbüttel bitter spürbar. Manche gute Bekannte wurden über Nacht „abgeholt“. Und die Predigten von Pastor Zach wurden von der Gestapo abgehört (er schrieb sie deshalb immer Wort für Wort auf, um nachweisen zu können, was er wirklich gesagt hatte). Durch die Fliegeralarme war das Gemeindeleben stark eingeschränkt. Von 1939 bis 1943 wirkte Schwester Nanny Jeruschkat (später Wiegratz) segensreich als Gemeindeschwester in der Gemeinde. Für die Soldaten aus der Lukas-Gemeinde, die an der Front waren, wurde – angeregt von Frau Zach – ein Rundbrief ins Leben gerufen. Er wurde ein festes Bindeglied zwischen den Soldaten im Feld und der Gemeinde. Bis zum Kriegsende gab es 50 Ausgaben. In den letzten Kriegsjahren lag eine Flakstellung am Ende des Hummelsbütteler Kirchenweges mit dem Leutnant Hermann Ehlers, dem späteren Bundestagspräsidenten. Sonntags kam er mit seinen Soldaten in die Lukas-Kirche zum Gottesdienst.

 

1941 fiel Pastor Rudolf Timm. Ende 1942 wählte man Pastor Erich Uhlmann zu seinem Nachfolger in Klein Borstel. Anfang 1943 verließ Pastor Besch die Gemeinde. Sein Nachfolger wurde Pastor Gebhard von Krosigk. Am 27. Juni 1943 wurde er in sein Amt eingeführt. Im Sommer 1943 brach die Katastrophe der Fliegerangriffe über Hamburg herein. Viele Ausgebombte fanden Unterkunft in Fuhlsbüttel, das von den Bombenangriffen weitgehend verschont geblieben war. Gegen Ende des Krieges kam Erich Meder als Vikar und Hilfsprediger nach St. Lukas. Er begann schon bald mit Jugendarbeit und Gottesdiensten in Hummelsbüttel.

 

 

Die Nachkriegszeit

 

„Genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich“ war ein geflügeltes Wort Anfang 1945. Und so war es auch: die eigentliche Hungerzeit begann mit Kriegsende. Die Care-Pakete aus Amerika waren damals wie Geschenke des Himmels! In der Gemeinde brachte man ein Brikett mit, wenn man sich traf, damit es im Raum etwas warm wurde. Die Wohnungen waren oft überbelegt mit Ausgebombten und Flüchtlingen.  Die Gottesdienstgemeinde vergrößerte sich immer mehr.

 

In der Zeit entsteht eine neue Jugendarbeit mit Hilfe der aus dem Krieg Zurückgekehrten. Hermann Ehlers hat dazu Wesentliches beigetragen. Er lebte noch eine Zeitlang in Fuhlsbüttel und hatte hier die Gemeindeschwester Jutta Taubert aus der Etzestraße geheiratet. Sonnabends traf man sich im Pastoratskeller zur Bibelarbeit mit Pastor Zach; seine beiden ältesten Söhne waren noch gegen Ende des Krieges gefallen – wie etliche junge Männer aus der Gemeinde auch.

 

Unter großen Schwierigkeiten konnte im Sommer 1947 die erste Jugendfreizeit mit 30 Jugendlichen in Lopau stattfinden. Damit begann eine Tradition, die viele Jahre anhielt: die Jugend traf sich über Pfingsten zuerst in Lopau, später in Hösseringen zur Pfingstfreizeit. Der Pastor und seine Frau waren dabei wie die damalige Gemeindeschwester Luise Berteau und Fritz Strauch, der Kantor. Er war Anfang 1946 aus harter Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und hatte sogleich damit begonnen, in der Gemeinde wieder einen Chor aufzubauen – und mit den jungen Leuten, z.B. in Lopau und Hösseringen, zu singen! So wurde St. Lukas erneut zu einer „singenden Gemeinde“. Den Dienst in St. Lukas versah während der Pfingstfreizeit Oberkirchenrat Volkmar Herntrich, der spätere Hamburger Landesbischof; er wohnte mit seiner Familie in Fuhlsbüttel.

 

Dankbar war die Gemeinde für den Dienst der Gemeindeschwestern. Besonders in Erinnerung geblieben ist Schwester Lisa Heise, die von 1952 bis 1976 in ihrer Schwesterntracht täglich mit dem Fahrrad durch Fuhlsbüttel fuhr und die kranken und alten Menschen besuchte; auch war sie in der Frauen-, der Mädchen- und der Familien-Arbeit tätig und bereitete unermüdlich mit Frauen aus der Gemeinde die Basare mit vor.

 

 

 

Die „Fünfziger Jahre“

 

1949 konnte die Villa Hummelsbütteler Kirchenweg 8/Ecke Farnstraße erworben und 1950 als Gemeindehaus eingeweiht werden. Hausmeister wurden das Ehepaar Sonnenberg und ab 1957 das Ehepaar Strenge. 1950 begann die Patenschaft für die Kirchengemeinde in Anklam in Vorpommern. Was mit Lebensmittelpaketen begann, weitete sich zu etlichen Freundschaften zwischen Gemeindegliedern aus. Man besuchte die Anklamer und traf sich mit ihnen in Ost-Berlin (die Anklamer durften ja nicht in den „Westen“ reisen). Ganz besonders hat sich für diese Kontakte später Pastor Laible eingesetzt. Aus der „Patenschaft“ ist nach der Wiedervereinigung 1989 eine „Partnerschaft“ geworden.

 

Viele Personen haben in den fünfziger Jahren das Bild der Gemeinde geprägt. Für Katharina Gombert kam 1951 Gräfin Rotraud von der Schulenburg als Gemeindehelferin in die Gemeinde. Sie blieb bis 1965. Von den vielen Vikaren seien nur einige genannt: Dr. Dieter Groß, später Domprobst in Ratzeburg, Dr. Eduard Lohse, später Landesbischof in Hannover, Lutz Mohaupt, später Hauptpastor an St. Jacobi, und nicht zuletzt Erich Meder, der 1949 in St. Lukas Gemeindepastor wurde und sich für Hummelsbüttel einsetzte und 1953, als die Christophorus-Kirche eingeweiht wurde, erster Pastor für die neue Hummelsbütteler Kirchengemeinde wurde. Und nicht zu vergessen: Heinrich Laible, der 1955 Vikar an St. Lukas war und danach der Gemeinde als Pastor bis zu seiner Pensionierung 1987 treu blieb. Der erste Kirchenbuchführer von St. Lukas war Kurt Gerstenkorn. Er fiel im Dezember 1943 im Krieg. Sein Nachfolger wurde Hans Struck, der von 1945 bis zu seiner Pensionierung 1979 hoch geachteter und absolut zuverlässiger Leiter der Verwaltung der Gemeinde war und darüber hinaus noch viele Aufgaben in der Gemeinde erfüllte. Seine etwas veränderte Aufgabe übernahm ein paar Jahre später, 1982, als Gemeindesekretärin Christa Heincke und füllte sie bis zu ihrem Ruhestand 1996 pflichtbewusst und mit Freude aus. Sie war als unmit­telbare „Anlaufstelle“ der Gemeinde eine der bekanntesten Persönlichkeiten. Als Pastor von Krosigk 1953 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt in St. Lukas aufgeben musste, folgte ihm Pastor Hans-Dietrich Schiel nach, der – wie schon Pastor von Krosigk – vor allem für den Bezirk Fuhlsbüttel-Süd zuständig war. Pastor Schiel war dann der erste Gemeindepastor, als die neue Kirche St. Marien in Fuhlsbüttel-Süd am 14. Februar 1960 eingeweiht wurde.

 

Schließlich ging am 26. Mai 1963 ein lang gehegter und vielbedachter Wunsch von Pastor Zacharias-Langhans in Erfüllung: in einer Seitenkapelle der Lukas-Kirche wurde eine Gedächtniskapelle für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder als „Kirchhof in der Kirche“ eingeweiht.

 

Die „Sechziger und Siebziger Jahre“: Umbrüche, Neuangänge

 

Nach vier Jahrzehnten endete die „Zach-Ära“: am 30. November 1965 ging Pastor Zacharias-Langhans in den Ruhestand. Es kam Pastor Uwe Piske, der fortan bis zum April 1972 zusammen mit Pastor Laible die Geschicke der Gemeinde leitete. Als Nachfolger der Gemeindehelferin Dorothee Lützen und des Diakons Gerald Albrecht traten im Juni 1965 Ruth Just und 1966 – noch als Praktikant – ihr späterer Ehemann Heiner Grünberg in den Dienst der Gemeinde. Das Ehepaar Ilgenstein folgte dem Ehepaar Strenge als Hausmeister des Gemeindehauses, und am 1. Januar 1965 löste Johann Knegendorf Herrn Strenge als Küster ab, der seinerseits sein Amt 1977 an Ernst Thode weitergab.

 

Am 2. Oktober 1966 wurde ein Anbau an das Gemeindehaus eingeweiht. Oben war ein neuer Gemeindesaal entstanden und im Untergeschoss war ein Kindergarten eingerichtet. Außerdem nahm im Oktober 1966 das Altenheim Christophorus in Hummelsbüttel, zu dessen Trägern auch die St. Lukas-Gemeinde gehörte, seinen Betrieb auf.

 

Der gesellschaftliche Umbruch 1968 schlug sich auch in der Thematik sowohl der Veranstaltungen als auch der Gottesdienste nieder. Neue Themen wurden gesucht und auch gefunden. Auch die Kindergruppenarbeit schloss sich dem Wandel der Zeit an.

 

Im Oktober 1972 folgte Pastor Wilfried Ahrens auf Pastor Piske im Pfarramt. Er kam aus der Arbeit der SMD (Studentenmission in Deutschland) und vermittelte zusammen mit Heiner Grünberg und der neuen Gemeindehelferin Erika Grötsch ab 1974 starke neue Impulse für die Gemeindearbeit; unter ihnen blühte die Hauskreis-Arbeit auf. Auch entstand in dieser Zeit der Gemeindeladen „Der Nachbar“, Erdkampsweg 38. Und es gab regelmäßige Gemeindefreizeiten in Norwegen. Pastor Laible nahm sich vor allem der Arbeit mit den älteren Gemeindegliedern an und lud zu jährlich wiederkehrenden Seniorenfreizeiten ein. Es war ein sehr vielfältig geprägtes Gemeindeleben, das viele Menschen anzog.

 

Als Pastor Ahrens 1976 die Gemeinde wieder verließ, folgte ihm Pastor Dr. Hans Schmoldt nach, mehr ein Wissenschaftler, der sich der wissenschaftlichen Arbeit besonders am Alten Testament verpflichtet fühlte. Er war von 1972 bis 1982 St. Lukas-Pastor.

 

 

St. Lukas wird „Propstkirche“

 

In der Hamburgischen Landeskirche waren im Hinblick auf die geplante Fusion mit den schleswig-holsteinischen Landeskirchen zur Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Propsteien eingeführt worden. Ihnen waren Kirchen(gemeinden) als Dienstsitz zugewiesen worden. So wurde St. Lukas im Oktober 1978 Propstkirche für den Nordbezirk Hamburg. Der erste Propst für diesen Bezirk wurde Pastor Hans-Joachim Tetzlaff, der bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 Mitglied der Gemeinde, des Pfarramtes und des Kirchen­vorstandes von St. Lukas war. Seine Nachfolgerin wurde 1993 Pröpstin Dr. Dr. Katrin Gelder.

 

Im Januar 1983 kehrte Pastor Piske nach St. Lukas zurück. „Es erwarteten ihn“ – so schreibt er selber – „an St. Lukas vielfältiger gewordene geistliche Strömungen und gemeindliche Tendenzen“: die alten St.-Lukas-Traditionen waren noch da, neu aber Kräfte, die ihre Impulse von der „Geistlichen Gemeinde Erneuerung“ her bezogen, und es gab jetzt Gemeindeglieder, die den „gesellschaftlichen“, ja auch den „politischen“ Auftrag der Kirche zur Mitte ihres Glaubensanliegens machten; z.B. war der „Arbeitskreis Frieden“ unter der Leitung von Krista Prante entstanden, der sich später ganz konkret in der „Containerdorf Hornkamp Initiative“ (CHI) engagierte.

 

 

Nach der Zeit von Pastor Laible

 

1987 ging nach fast dreieinhalb Jahrzehnten Pastor Laible in den Ruhestand. Am 1. August 1987 wurde Pastor Jürgen Stäcker – ein „altes St. Lukas-Kind“ – als Nachfolger eingeführt. In der Zeit seines Dienstes wurde es möglich, dass der Gemeindebrief in jeden Briefkasten geworfen wurde. In die Zeit seines Dienstes fiel auch die Aktion „neu anfangen“, eine große – stadtweite – Aktion, in der viele Gemeindeglieder persönlich besucht wurden. Aus ihr entwickelte sich eine Vielzahl neuer Hauskreise („Gesprächsrunden“), von denen eine ganze Menge über viele Jahre Bestand haben sollten. Der Gemeindebeirat unter Leitung von Dieter Falk, in dem jeder Gemeindekreis vertreten war, gewann noch einmal eine große Bedeutung für das Miteinander in der Gemeinde.

 

Bibelabend und Seniorenkreis, die Pastor Laible liebevoll betreut hatte, wurden unter Pastor Stäcker ebenso liebevoll weitergeführt. Und es gab rege ökumenische Begegnungen und jedes Jahr eine „ökumenische Kirchenwanderung“, bei der sich die evangelisch-lutherischen, römisch-katholischen und evangelisch-freikirchlichen Kirchengemeinden im Norden Hamburgs gegenseitig besuchten.

 

Am 10. Dezember 1989 wurde – nach langer Diskussion und dem Verkauf des alten Gemeindehauses und der Gemeindebauten Hummelsbütteler Kirchenweg 4 – 8 – der Grundstein für ein neues Gemeindehaus „hinter“ der Lukaskirche gelegt: die gesamte Gemeindearbeit sollte nun auf dem Grundstück Erdkampsweg 104/Hummelsbütteler Kirchenweg 3 konzentriert werden. Am 31. März 1991 wurde das neue Gemeindehaus eingeweiht. In ihm war ein großer Kindergarten mit 60 Plätzen vorgesehen. Leiterin wurde die Sozialpädagogin Iris Klaffke.

 

Der Gemeindebasar wurde weitergeführt. Pastor Laible hatte ihn 1963 mit wenigen Helfern begonnen. Mit der Zeit hatte Herr Grünberg die Regie übernommen, und der Basar wurde ein großes „Gemeinschaftswerk“ der ganzen Gemeinde mit vielen ehrenamtlichen Helfern, ein „Fixpunkt“ im Jahr für Helfer und Besucher.

 

Fritz Strauch hatte sein Kirchenmusikeramt 1974 an Christian Goltzsch weitergegeben und dieser gab es 1982 weiter an Bastiane Becker-Foß. Der Gemeindechor, die Kantorei, hat immer wieder die Gottesdienste und das Gemeindeleben bis heute bereichert. „Mitsingeprojekte“ halfen, Bachs Weihnachtsoratorium, Händels „Messias“ und weitere Werke der klassischen Musikliteratur aufzuführen und bewegten immer wieder Menschen, in der Gemeindekantorei mitzusingen.

 

Neue Gottesdienstformen wurden erprobt und mit Freude angenommen, z.B. die Familiengottesdienste oder die Passionsandachten, die „Passah-Abendmahlsfeier“ (Agape) im Gemeindehaus am Tisch oder auch die Feier der Osternacht in der Kirche.

 

Als Pastor Piske 1994 in den Ruhestand trat, wurde Frau Petra Roedenbeck-Wachsmann zu seiner Nachfolgerin im Vorsitz des Kirchenvorstandes gewählt, den er 1985 von Pastor Laible übernommen hatte. Zu seinem Nachfolger im Pfarramt wählte der Kirchenvorstand Pastor Friedhelm Nolte, der am 13. November 1994 in sein Amt eingeführt wurde.

 

Am 3. März 1996 gab es einen doppelten Abschied. Pastor Stäcker verabschiedete erst die alte Kemper-Orgel aus dem Jahr 1938, die einer neuen Orgel – gebaut von der Firma Metzler, Dietikon bei Zürich – Platz machen sollte (sie wurde zu Pfingsten, am 26. Mai 1996, eingeweiht) und dann sich selbst von der Gemeinde, der er achteinhalb Jahre gedient hatte, „zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes und zum Lob seiner Herrlichkeit“.

 

 

 

Quellen:         

Festschrift „750 Jahre St. Johannis Eppendorf“, herausgegeben 2017 durch den Kirchengemeinderat der Kirche St. Johannis zu Hamburg-Eppendorf

Festschrift „100 Jahre St. Lukas-Kirche Fuhlsbüttel“, herausgegeben 1993 von dem Kirchenvorstand der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Lukas zu Hamburg-Fuhlsbüttel

 

Jürgen Stäcker

 

St. Lukas - die letzten 25 Jahre


 

1994 hatte Pastor Nolte seinen Dienst in St. Lukas begonnen, 1996 ging P. Jürgen Stäcker in den Ruhestand. Der Kindergarten wurde von Frau Stökl geleitet. Sie wurde 2003 in der Kindergarten­leitung  von Frau Birgit Kuschmierz-Mahlstedt abgelöst.  Als neue Gemeindesekretärin begann Angelika Vagts ihren Dienst und blieb verlässlich und nimmermüde bis zu ihrem Ruhestand 2016 der Gemeinde treu.

 

Ab Januar 1997 leitete ein neuer Kirchenvorstand die Geschicke der Gemeinde mit dem Ehepaar Pn. E. Fischer-Waubke mit 75% einer Stelle und P. Dr. Waubke mit 25%. Frau Fischer-Waubke hatte  einen Dienstauftrag von 25.% in der St. Marien-Gemeinde. Diese Aufteilungen und Stellenkürzungen wegen abnehmender Gemeindegliederzahlen ergaben viele Probleme.

 

Als Pröpstin war Frau Dr. K. Gelder der Gemeinde zugeordnet.

 

1998 begann eine neue Gottesdienstform:  die Thomasmesse. Und es begann die Vorbereitung einer Partnerschaft zum Turiani-Distrikt in Tansania.

 

1999 wurden die Pfarrstellen der Gemeinde gekürzt. Dr. Waubke verließ die Gemeinde im November. Von der Kirchenleitung wurden Gedanken zur Regionalisierung der Gemeinden im Alstertal in Angriff genommen.

 

2000 ist gekennzeichnet durch die Mutterschutz-Vakanz von Frau Fischer-Waubke. Der Freundeskreis für das Altenheim Christophorus-Haus wurde gegründet. Am Flughafen wurde  ein Raum der Stille eingerichtet, mit eine halben Stelle von P. Kranefuß geleitet und von St. Lukas begleitet. Es gab erste Überlegungen zu dem Projekt für die Gedächtniskapelle „Zivile Opfer der Nationalsozialismus“. Die gestalterische Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Alstertal  wurde ins Auge gefasst und realisiert. Der langjährig aktive Friedenskreis an St. Lukas wurde aufgelöst, etliche Mitglieder engagierten sich in dem neuen Projekt Tansania-Partnerschaft.

 

In 2001 wurde in der Gemeinde das Internet eingeführt. Die Pfarrstellen-Reduzierung ging weiter, nur noch eine halbe Stelle für 5 Jahre blieb neben P. Nolte bestehen. Frau Roedenbeck-Wachsmann begann eine Ausbildung zur Prädikantin.

 

2003 wurde wieder ein neuer Kirchenvorstand gewählt, und Frau Dr. Gelder beendete zum 31.12. ihre Arbeit als Pröpstin an St. Lukas.

 

Es folgten ruhigere Jahre der Gemeindearbeit mit einigen besonderen Schwerpunkten: Der Gottesdienstbeginn wurde im Jahr 2005 auf 11.00 Uhr verlegt. Als Propst wurde Dr. Claussen auch für St. Lukas zuständig.

 

2008 wurde ein neuer „Kirchengemeinderat“ gewählt, der gemeinsam mit P. Nolte die Gemeinde bis 2012 leitete. Dann ging P. Nolte in den Ruhestand, und es kamen unruhigere Zeiten mit etlichen personellen Wechseln. Eine Gemeindepädagogin und eine Diakonin blieben nur kurze Zeit in der  Gemeinde.

 

Im November 2012 nahm P. Michael Kempkes seine Pastorentätigkeit auf, die jedoch schon im April 2013 endete. Pn. Oldenburg-Lukay kam mit einer halben Stelle für die Arbeit mit Senioren an die Gemeinde. Ab 1. Mai wurde P. Andreas Kosbab als Vakanz-Vertretung Pastor an St. Lukas. Im März verließ Heiner Grünberg nach über 40 Jahren als Diakon die Gemeinde. Der Kirchengemeinderat löste sich auf, und es wurde ein Beauftragten-Gremium berufen.  Pn. Lehmann begleitete die Beratungen.

 

2014 fand im November die nächste Wahl zum Kirchengemeinderat statt. Pastor Georg Warnecke wurde neuer Pastor an St. Lukas.

 

Trotz all dieser Wechsel  ging die Gemeindearbeit mit schönen Oratorien-Aufführungen,  Seniorenreisen und vor allem intensiver Jugend- und Kindergarten-Arbeit weiter. Diakon Willem Heins egann mit seiner lebendigen Kinder- und Jugendarbeit. Der Kindergarten war zwischenzeitlich um eine Krippe für die Jüngsten erweitert worden. Im kommenden Jahr begeht der Kindergarten sein 50. und die Krippe ihr 10. Jubiläum.

 

So hofft die Gemeinde trotz Krankheiten und Unterbesetzungen, dass ihre Arbeit weiter lebendig den Stadtteil mit prägt.

 

Gisela Leffmann

Impressionen aus Lopau

Die Bilder wurden uns freundlicherweise von Pastor em. Stolt zur Verfügung gestellt