Auf dem Kirchplatz...


„Haut“ in die Tasten: Bastiane in freudiger Erwartung zusätzlicher Chormitglieder!
„Haut“ in die Tasten: Bastiane in freudiger Erwartung zusätzlicher Chormitglieder!

... mit Kirchenmusikerin Bastiane Becker-Foß

 

35 Jahre in St. Lukas! Eine Konstante der Gemeinde, das ist unsere Kirchenmusikerin Bastiane Becker-Foß. Leitung von Chören, dem Flötenkreis, Konzerte mit Chor und Orchester, und natürlich das Orgelspiel in den diversen  Gottesdiensten, dafür ist sie da. Seit vielen Jahren hat sie nur eine halbe Stelle und unterrichtet  ergänzend Klavier und Blockflöte. Groß geworden ist sie in einer Musikerfamilie aus Bremen und hat selbst zwei Töchter, die Musik studieren.

 

In St. Lukas gefällt ihr besonders die schöne Kirche (leider mit zu trockener Akustik versehen, so dass der Orgel- und Chorklang dadurch ein wenig leidet) und auch die dörfliche Atmosphäre im gemütlichen Fuhlsbütteler Stadtteil. Als sie in St. Lukas vor vielen Jahren ihren Dienst begann, war die Kirche zum sonntäglichen Gottesdienst noch voll. Der Chor sang selbstverständlich Konzerte und in gleicher Besetzung in diversen Gottesdiensten im Jahr.

Das hat sich im Laufe der 35 Jahre sehr geändert. Heute ist es schwierig, Chorsänger zu finden, die nicht nur an Konzerten interessiert sind und zum Gottesdienstsingen dabei bleiben. Überall in Hamburg ist projektbezogener „Chor-Tourismus“ verbreitet. Die Sänger und Sängerinnen möchten bei bekannten großen Werken dabei sein, und einen sangesfähigen Chor für Gottesdienste zusammen zu bekommen, ist oftmals vergebliche Liebesmüh. Natürlich gibt es auch einige Getreue, die dann mitsingen, aber die meisten suchen sich ihr Mitsingprojekt. Manchmal fragt sich unsere Kirchenmusikerin, ob für ein bestimmtes, lang im voraus geplantes Werk auch genügend Sänger erscheinen werden, die ausreichend lange mitproben. Prinzip Hoffnung, und irgendwie klappte es zumindest bei Konzerten bisher auch immer.

 

Ausgesprochen erwähnenswert sind auch die legendären Buffets, die der Chor zu bestimmten Anlässen auffährt. Singen und fürstlich essen, lieben sämtliche Chorsänger. Was der Chor davon vorzieht, bleibt offen. Das musikalische Potenzial im bürgerlichen Fuhlsbüttel ist groß. Viele bringen gute Kenntnisse mit – und daher dieser Aufruf an unsere Fuhlsbüttler Gemeindemitglieder und an sonst alle, die dieses lesen: Ihr seid im Chor herzlich willkommen!!

 

Unterstützen Sie unsere eigenen stadtteilbezogenen Kirchenkonzerte durch Ihre Mitwirkung. Wir würden gerne nächstes Jahr zu unserem 125-jährigen Bestehen am 3.6.2018 Bachkantaten aufführen. Und im Dezember 2018 werden wir das Weihnachtsoratorium 1-3 von J.S. Bach singen. Auch da ist die Planung dem tatsächlichen Chorbestand um einiges Optimistische voraus. Im vergangenen Jahr gab es zwei Höhepunkte: Bachs Johannes-Passion und das Kinder-Musical „Martin Luther“. Im Jahr 2018 soll es auch wieder ein Kinderchor-Musical geben. Für Chöre und Flötenkreis wären neue Mitglieder ein Segen. Denn das Schönste für alle Mitwirkenden ist jedesmal die Aufführung, wenn alles Mühen endlich Früchte trägt und man sich gegenseitig inspiriert und ein lebendiges, musikalisches Ereignis entsteht.

G. Leffmann

Auf dem Kirchplatz...


.. mit Krista Prante

Am 20. August 2017 erhielt Krista Prante im Rahmen eines Gottesdienstes in St. Lukas das Ansgarkreuz – ein Dankzeichen unserer Nordkirche, mit dem Gemeindegliedern 'für ehrenamtliches Engagement gedankt wird, das langjährig oder in besonderen Projekten insbesondere in einer Kirchengemeinde oder in einem Dienst und Werk ausgeübt wurde.' *
Auf dem Kirchplatz treffe ich eine engagierte und motivierte Frau. Bemerkenswert, wie sie sich für ‚ihre‘ Themen einsetzt. Eines betont sie gleich am Anfang: „Ich nehme dieses Ansgarkreuz stellvertretend entgegen, stellvertretend für die Menschen, mit denen ich lange zusammen gearbeitet habe – 17 Jahre

im Arbeitskreis Frieden, 5 Jahre in der Containerdorf-Hornkamp-Initiative und nun seit über 20 Jahren im Tansania- Arbeitskreis Mittleres Alstertal. Unser Engagement geschah und geschieht oft im Stillen. ‚Es ist gut, wenn es einmal sichtbar wird‘, schrieb mir eine Freundin.“

Im Jahr 1971 kam Krista Prante zur St. Lukas Gemeinde. Als 1975 der Laden DER NACHBAR eröffnet wurde, gehörte sie bald zu dem Team der Ehrenamtlichen, die dort Dienst taten. Ihre Aufgabe: mit Kindern zu spielen, damit die Mütter in Ruhe auf dem Markt einkaufen konnten. Die eigenen Kinder nahm sie mit. „Aus diesen sechs Jahren ist mir sogar ein Patenkind erwachsen ...“ Aber nach einer Gemeindefreizeit auf der Schwäbischen Alb im Jahr 1983 ging es dann richtig los. Der Arbeitskreis Frieden entstand. „Die Zeit damals war ‚hochexplosiv‘. Angesichts der atomaren Bedrohung wollten wir Stellung beziehen zu der Stationierung von Pershing II-Raketen und SS 20-Raketen auf deutschem Boden, zum sinnlosen, Milliarden verschlingenden Auf- und Wettrüsten zwischen Ost und West, zum gleichzeitigen Verhungern von Millionen Menschen in der sog. Dritten Welt.

Wir befragten die Bibel nach Friedenszeugnissen, lasen und diskutierten die einschlägigen Bücher, bereiteten in der Ökumenischen Dekade den ‚Bittgottesdienst für den Frieden‘ vor. Lange wurden wir kritisch beäugt ... Darum suchten wir nach ‚kleinen Schritten‘ in die Gemeinde, zu denen uns auch der vom Ökumenischen Rat der Kirche ausgerufene ‚Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung‘ ermutigte. Einige Beispiele: Wir machten EDCS in St. Lukas bekannt, eine ‚Bank für die Armen‘, heute OIKOCREDIT genannt. Wir eröffneten einen Eine-Welt-Stand, an dem vierzehntägig nach dem Gottesdienst Waren verkauft wurden, für die die Produzenten auf der südlichen Halbkugel gerechte Preise erhielten.

Wir setzten uns dafür ein, dass in der Gemeinde fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wurde. Im Jahr 1992 – 500 Jahre nach der Entdeckung Amerikas – ‚warben‘, ich könnte auch sagen ‚kämpften‘ wir im damaligen KV darum, in der Passionszeit Andachten zum ‚Lateinamerikansichen Kreuzweg‘ halten zu dürfen – unterstützt durch das Nordelbische Missionszentrum. Auf unsere Anregung hin beschlossen 1996 die Kirchenvorstände von St. Lukas und St. Marien, auf eine überseeische Partnerschaft zuzugehen und einen Trägerkreis, den heutigen Tansania- Arbeitskreis Mittleres Alstertal, mit der Arbeit zu betrauen.“
Wenn man Krista Prante auf dem Kirchplatz erlebt, merkt man: Gemeindearbeit hält fit und motiviert. Toll! Sie könnte noch mehr berichten: von verschiedener Gremienarbeit, von der Freude, die der ‚Besuchsdienst‘ ihr bereitet ...

Auf die Frage, ob es einen biblischen Text gebe, der sie immer begleitet und der sie motiviert habe, lautet die Antwort: „Ja, es sind zwei: ‚LIEBE DEINEN NÄCHSTEN, ER IST WIE DU‘ und die Bitte aus dem Vaterunser: ‚DEIN REICH KOMME‘. Gott hat uns Menschen einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißen. Sich ‚einzeichnen‘ in Seinen Weg der Liebe zu uns Menschen und des Friedens und der Gerechtigkeit mit kleinen, vorläufigen, oft unvollkommenen, aber entschiedenen Schritten ist sinnvoll und macht zufrieden.“
Eine Sache ist meiner Gesprächspartnerin am Ende unseres Interviews noch wichtig: „Neben den zahlreichen Weggefährten und Weggefährtinnen möchte ich meinem Mann dafür danken, dass er mir in all den Jahren den Rücken freigehalten und gestärkt hat!“

Wir danken Krista Prante und ihren Mitstreitern für die tolle Arbeit, die hoffentlich noch lange weitergeht!

 

Carsten Nillies

Auf dem Kirchplatz...


... mit drei Konfirmanden

Es herrschte entspannte Stimmung, als ich Oscar, Jacob und Justus auf dem Kirchplatz traf. Sofort wurde klar: Sie fühlen sich wohl in St. Lukas. Toll, dachte ich, auch junge Leute finden hier eine Heimat. Noch zwei Wochen bis zur Konfirmation - ein Jahr lernen, diskutieren und reisen liegt hinter den insgesamt 26 Konfirmanden, die dann am 30. April und 7. Mai in St. Lukas konfirmiert werden. Mit dabei: Oscar, Jacob und Justus. Für Oscar ist ganz klar: er freut sich bei seiner Konfirmation am meisten darauf, dass die ganze Familie zusammenkommt. „Speziell die Verwandten aus Süddeutschland, die man ja sonst nicht so häufig sieht“, erzählt er. Die drei 14Jährigen beginnen von ihrer Konfirmationszeit zu erzählen. Seit gut einem Jahr besuchen sie den Konfirmandenunterricht mit Pastor Georg Warnecke und Diakon Willem Heins, sind häufig(er) in den Gottesdienst gegangen und waren einige Male unterwegs. „Ich habe hier viele neue nette Menschen kennengelernt“, berichtet Justus. „Und man hat mehr über Gott und Jesus erfahren. Ich fand dabei sehr gut, dass wir als Konfirmanden hier auch einbezogen wurden und offen mit vielen Themen umgegangen wurde.“ Auch Jacob fand die Art und Weise, wie das Thema Gott im Unterricht vermittelt wurde, gut: „Wir haben viel diskutiert und geredet – und nicht so viel schriftliche Aufgaben gemacht“, erzählt er. „Das kam mir sehr entgegen“, fügt er schmunzelnd hinzu. Alle drei dachten vor dem Unterricht, dass es viel mehr um das Auswendiglernen und Tests ginge. Und waren überrascht, dass dem nicht so war.

Dann die entscheidende Frage: Was nehmt Ihr aus Eurer Konfirmanden-Zeit in St. Lukas mit? Habt Ihr etwas Neues erfahren oder entdeckt? „Ich weiß jetzt die zehn Gebote auswendig“, sagt Justus lachend. „Ich habe auch ein paar neue Freunde kennengelernt durch die Kirche. Und ich nehme mehr von Gott mit.“ Was den Dreien am besten gefallen hat, ist klar: „Die zwei Wochen in Norwegen“, erzählt Jacob. „Das waren fantastische 14 Tage, in denen wir einiges über Gott gelernt haben, aber auch viel Spaß hatten“. Dieses Jahr sind auch alle drei bei der Jugendfreizeit auf Korsika dabei und freuen sich schon sehr.
Aber auch die offenen Gespräche, mit der die christlichen Themen vermittelt wurden, kamen bei den drei Jungs – und vermutlich auch den anderen Konfirmanden – sehr gut an. „So haben wir in kleinen Gruppen mit Pastor Warnecke oder Willem über Gott und die Welt diskutiert, das war richtig gut“, erklärt Oscar. Teilweise waren die drei mit einzelnen Aspekten nicht ganz einverstanden, konnten das aber in den Runden äußern und ins Gespräch einbringen. Darüber hinaus mussten die Konfirmanden ja einige Gottesdienste besuchen, die nicht immer ansprechend waren, wie Jacob erzählt. „Aber auch darüber haben wir gesprochen und uns wurde erklärt, dass ja immer verschiedene Altersgruppen in der Kirche sind und man kann es nicht für jede ansprechend gestalten“, weiß er zu berichten.

So und jetzt einen Satz vervollständigen:
Mein schönster Moment in der Konfi-Zeit in St. Lukas war, ...
Jacob: „... als wir in Norwegen immer alle zusammen gesessen haben.“
Oscar: „... als wir in Norwegen am See waren.“
Justus: „... als ich in St. Lukas neue Leute kennengelernt habe.“
Darüber, wie es nach der Konfirmation in St. Lukas für sie weitergeht, ist den dreien auch klar: „Wir würden jetzt nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen, aber wir können uns schon vorstellen, uns später einmal als Teamer (Betreuer) auszuprobieren. Aber dazu muss man wohl erst 16 sein und muss noch einen Kurs machen“, erzählt Justus. „Und vielleicht auch mal als Betreuer mit nach Korsika oder Norwegen zu fahren“, ergänzt Jacob. Für die neuen Konfirmanden haben sie auch direkt einen Tipp auf Lager: „Geht von Anfang an Mittwochs zum Jugendtreff, dann wird man direkt besser eingebunden und lernt auch die älteren Jugendlichen kennen“, sagt Oscar.
Für die Zukunft wünsche ich mir von St. Lukas, dass ...
Oscar: „... sie noch ein bisschen mehr bei der Gestaltung des klassischen Gottesdienstes auf die Jugendlichen eingehen.“

Justus & Jacob: „... es öfter einen Jugendgottesdienst gibt.“

Im Gespräch wird aber eines vor allem klar, dass sich der Bezug der drei zu St. Lukas im Laufe des letzten Jahres geändert hat: „Vorher war das halt eine Kirche, wo man ab und zu mal hingeht, und jetzt kennen wir hier viele und sind regelmäßig hier.“

Carsten Nillies

Auf dem Kirchplatz ...


... mit Gertrud Wellmann-Hofmeier
Diesmal fand das Gespräch nicht auf dem Kirchplatz statt. Es war einfach zu kalt im Januar. Sie kennen die Dame auf dem Foto nicht? Wenn sie nicht in der Kirchenbank in unserer schönen St. Lukas Kirche sitzt, steht sie hinter dem Lesepult und liest die Epistel und das Evangelium für den jeweiligen Sonntag. Doch LektorInnendienst ist nur eine von Gertrud Wellmann-Hofmeiers zahlreichen Aufgaben in unserer Kirche. Als Ausdruck des Dankes für fast 40-jähriges ehrenamtliches Engagement wurde sie von Bischöfin Kirsten Fehrs am 30. Oktober 2016 in einem festlichen Gottesdienst im Hamburger Michel mit der Bugenhagen Medaille* ausgezeichnet. Ich hielt es für angemessen, dass unsere St. Lukas Gemeinde davon erfährt. Aufzulisten, in wie vielen kirchlichen Gremien und Gruppen Frau Wellmann- Hofmeier mitgearbeitet und ihre Stimme erhoben hat gegen Ungerechtigkeit, Ungleichheit und menschenverachtende Diskriminierung ist hier nicht der Ort. Doch seien stellvertretend für ihr Engagement die dreizehn Jahre lang durchgehaltenen Mahnwachen und Aktionen gegen die Apartheidspolitik in Südafrika genannt, ihr Eintreten für Frauenrechte sowie ihre Mitarbeit als Delegierte der „Dienste und Werke“ - bis heute! - in den verschiedenen Synoden unserer evangelisch- lutherischen Kirche mit ihren Ausschüssen und Arbeitskreisen.

 

Was ist es, das Gertrud Wellmann- Hofmeier über Jahrzehnte die Kraft, den Mut und den langen Atem gegeben hat, sich stark und „gerade“ zu machen für Menschen am Rande der Gesellschaft?

 

„Aufgewachsen in einem evangelischen Pfarrhaus habe ich mich irgendwann gefragt: Was kann ich als Christin konkret tun, um meinen Glauben überzeugend zu leben? Und angefangen hat es dann mit Südafrika. Solidarität war gefragt. Rassendiskriminierung zu dulden war mit der Geschichte des Nationalsozialismus im Hinterkopf einfach nicht möglich. Dabei handelten wir, die sog. Boykottfrauen, gegen den erklärten Willen fast aller Landeskirchen und der EKD, wurden aber unterstützt durch die Frauenwerke.“

 

„Du hast einmal gesagt, dass das „Haus der Frau“ am Loogeplatz in Hamburg damals zu deiner geistlichen Heimat wurde.“

 

„Ja, dort traf ich Frauen, die wie ich auf der Suche nach einem veränderten Gottesbild waren und die sich auch politisch engagieren wollten. Die Themen Geschlechtergerechtigkeit, gerechte Sprache, feministische Theologie haben uns sehr beschäftigt.“


Und was macht Frau Wellmann- Hofmeier gerade jetzt?


„Außer meinem Amt in der Kirchenkreissynode Hamburg-Ost beteilige ich mich als eine der „Frauen in Schwarz“ an den monatlichen Mahnwachen gegen „Krieg und Gewalt“, zum Beispiel im Januar gegen Abschiebungen nach Afghanistan. Ich habe mehrere Jahre Abschiebehäftlinge im Gefängnis betreut; jetzt bin ich Flüchtlingslotsin und begleite seit eineinhalb Jahren Geflüchtete zu Ärzten und Behörden. Es geht darum, ihnen Unterstützung zu geben und deeskalierend zu wirken. Was den Menschen per Gesetz zusteht, das sollen sie erhalten.“

 

Einstehen, beistehen, sich gerade machen, den Mund auftun für die Stummen - Hut ab, liebe Gertrud! Gottes Segen und Geleit auch durch dieses Jahr!


Krista Prante

HINWEIS:
Vom 24. April bis zum 14. Mai 2017 ist die Wanderausstellung des Frauenwerks der
Nordkirche „ ... von gar nicht abschätzbarer Bedeutung - Frauen schreiben Reformationsgeschichte“
in der Hauptkirche St. Jacobi zu sehen.

* Die Bugenhagen-Medaille wird verliehen für „hervorragende Verdienste für das kirchliche Leben“ und ist die höchste Auszeichnung der Nordkirche für ehrenamtliches Engagement.

Auf dem Kirchplatz mit dem Nikolaus


Wir erwischten den Nikolaus so gerade noch auf unserem Kirchplatz – er wirkt etwas gehetzt, aber nimmt sich trotzdem Zeit für unsere Fragen:

 

Lieber Nikolaus, wie geht‘s Dir? – Oh, kann ich Dich überhaupt duzen?

 

Nikolaus: Oh, Hallo. Danke der Nachfrage: mir geht es sehr gut. Wer mehr als 1.700 Jahre auf dem Buckel hat, der ist so leicht nicht unterzukriegen. So lange mich die Kinder und ihre Eltern nicht vergessen, gibt es auch den Nikolaus. Ob Du mich duzen darfst? Nun ja, ich bin ja immerhin Bischof und die Menschen sagen, ich sei ein „Heiliger“. Aber mir ist eine zu große Distanz eher unangenehm. Von daher: sprich mich gerne so an, wie du magst.

 

Lieber Nikolaus, bist Du eigentlich gerne Nikolaus? 

 

Nikolaus: Oh ja, das bin ich. Denn es ist ja so: Das Fest der Geburt Jesu Christi, also von der Menschwerdung Gottes, ist von einer zentralen Bedeutung für die Menschen und die Welt. Da bin ich viel lieber der Nikolaus als der Weihnachtsmann. Denn: zu Weihnachten bedarf es wahrlich mehr als nur einer lustigen Dekofigur für den Austausch von Geschenken. Außerdem möchte ich das Bewusstsein vermitteln, dass Kinder das größte Geschenk sind und unter einem besonderen Schutz Gottes stehen – auch das dürfen wir durch das Kind in der Krippe ja (neu) sehen. Und ich muss sagen: ein bisschen stolz bin ich ja auch … viele Menschen haben sich an mir ein Beispiel genommen: es gibt Armenspeisungen und fürsorgliche Blicke auf Menschen in Not, weil man sich am Heiligen St. Nikolaus orientiert. Neulich habe ich sogar eine St. Nikolaus-Kirche gesehen. Eine Weihnachtsmann-Kirche kenne ich jedenfalls nicht …

 

Was ist das schönste an Deiner Aufgabe?

 

Nikolaus: Ich beschenke die Menschen gerne, vor allem die Kinder. Dieses Brauchtum hat sich im Mittelalter herausgebildet. Die Paten haben am 6. Dezember Geschenke verteilt. Diesen Brauch gibt es etwa in Holland noch heute. Interessant ist, dass bis zur Reformation generell keine Weihnachtsgeschenke verteilt wurden. Erst Martin Luther hat in Deutschland das Christkind als Geschenkebringer eingeführt. Für die Kinder habe ich jedenfalls Überraschungen bereit.

 

Was nervt Dich an Deinem Job?

 

Nikolaus: Am Job eigentlich nichts. Was nervt, sind die Missverständnisse: zum einen, dass man mich mit dem Coca-Cola-Männchen (Weihnachtsmann, die Red.) verwechselt und zum anderen, dass Menschen denken, ich würde mit der Rute strafen! Ein Heiliger macht den Menschen niemals Angst! Er ist kein Kinderschreck. Ich will nicht als pädagogische Waffe missbraucht werden. Ich war ein Bischof, der bedürftigen Kindern half, zu Unrecht Gefangene rettete und vieles mehr.

 

Kommst Du dieses Jahr nach St. Lukas?

 

Nikolaus: Da der 6. Dezember in diesem Jahr auf einen Dienstag fällt, wird es jedenfalls keinen Nikolaus in einem Familiengottesdienst geben, so wie im vergangenen Jahr. Aber ich lasse mich bestimmt mal blicken. Kürzlich hörte ich von einer Aktion, die sich „lebendiger Adventskalender“ nennt – das würde ich auch gerne mal miterleben.

 

Meistens wünschen sich ja die Kinder etwas von Dir - was wünscht Du Dir von den Menschen in St. Lukas?

 

Nikolaus: Oh Gott. Heilige sollten wunschlos glücklich sein. Vielleicht etwas zum Nachdenken. Erstens: Heilig, und damit ein Zeuge für die Botschaft Jesu, kann eigentlich jeder sein; das beginnt im Alltag. Zweitens: Mit meinen Gaben will ich zeigen, wie wichtig eine helfenden Hand ist, und hinweisen auf die Liebe Gottes. Drittens, und jetzt muss ich doch ein wenig streng zu den Erwachsenen werden: Eure Kinder haben Besseres verdient als den Weihnachtsmann!

 

Lieber Nikolaus, vielen Dank für das Gespräch.

 

Nikolaus: Gern geschehen. Ich wünsche allen eine gesegnete Weihnachtszeit!

 

Auf dem Kirchplatz mit Angelika Vagts


Seit 19 Jahren wurde jeder, der die Telefonnummer der Gemeinde gewählt hatte von ihr begrüßt. 19 Jahre war Angelika Vagts die Gemeindesekretärin und die Küsterin in St. Lukas, und so mancher hatte das Gefühl, dass sie eigentlich immer da war, weit über die vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten hinaus. Die Sielleitungen waren verstopft und das Regenwasser lief in den Pastoratskeller: „Angelika Vagts kam zum Wasser schippen“. Sonntag, 10:00 Uhr und die Kirche ist kalt: „Angelika, die Heizung geht nicht, kannst Du vorbeikommen?“ Handwerkertermine am Mittwoch: „... ist zwar mein freier Tag, aber ich werde da sein“.

 

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, Angelika Vagts war immer hilfsbereit und freundlich, sachlich und zugewandt, auch in schwierigen oder turbulenten Zeiten.

 

Für jeden, der ins Gemeindebüro kam, hatte Angelika Vagts ein offenes Ohr, nicht nur bei offiziellen Anliegen, sondern auch für private Nöte und Sorgen; für die Pastoren und die Verwaltung, für den Kirchengemeinderat und alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter war sie unverzichtbar. Sie kannte alles und jeden. Aus so manchem Kontakt ist mit den Jahren Freundschaft geworden.

 

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge entlassen wir unsere  Küsterin und Sekretärin in ihren wohlverdienten Ruhestand. Wir wünschen ihr Gottes reichen Segen für diese neue Zeit und freuen uns auf noch viele Begegnungen in Fuhlsbüttel und in St. Lukas.

 

Danke, Angelika!

 

Für den Kirchengemeinderat: Claudia Scherf

Auf dem Kirchplatz ...


... mit Erika Ripken

Sie ist Gesicht und Betreuerin unseres BASARs. Seit wann? „Im ersten Jahr in diesem „neuen“ Gemeindehaus, also 1990 der 1991. Bei einem Besuch im Gemeindehaus im Oktober gab es kein Durchkommen. Kurz entschlossen wurden die Ärmel aufgekrempelt, ohne lange zu planen. Seither gehört meine Liebe dem Basar.

Ab 1. Oktober werden Spenden gern angenommen, von Mitarbeitenden vorsortiert. Da gibt es für die Gemeinde auch Unannehmlichkeiten, Unruhe, Chaos, das für viele nicht leicht zu ertragen ist.

In der letzten Woche vor dem Basar fallen alle Veranstaltungen im Gemeindehaus aus. Jeder, der ins Gemeindehaus kommt, freut sich über die eigene Ordnung zu Haus und ist dann um so mehr überrascht über das Wunder am Basartag. Viele Menschen kommen in diesen Wochen ins Gemeindehaus, lernen sich kennen, bringen Spenden und helfen mit. So entwickeln sich über die Jahre viele Kontakte, und man freut sich, wenn man sich wiedersieht. Fast alle Spenden sind willkommen, jede Gabe wird begrüßt.

Jedes Jahr passiert es, dass Dinge abgegeben werden, die gar nicht zum Basar sollten – und immer finden sie auf Nachfrage auch ihren Weg zurück zum Besitzer. So bekamen wir einmal von der Frau eines Sammlers sehr schöne Kochbücher gebracht. Ein Gemeindeglied, das auch Kochbücher sammelte, war hoch erfreut und kaufte sie vorab für DM 8,- pro Stück. Der ursprüngliche Sammler bemerkte die „Untat“ seiner Frau noch rechtzeitig, der Käufer gab die Bücher, deren Wert ein Vielfaches betrug, freundlich zurück.

Der Basar ist anstrengend. Unterschiedliche Sichtweisen, Fähigkeiten und Ideen unter den Mitarbeitenden beleben die Vorbereitungen, in deren Verlauf Kraft und Energie aller Mitarbeitenden (es sind wohl 150 bis 180 Menschen) strapaziert werden.

Dank langjähriger Erfahrungen vieler Mitarbeiter (auch noch aus dem alten Gemeindehaus) und den vielen neuen Mitarbeitenden ist der Basar immer wieder erfolgreich. Am Abend des Basartages ist die Freude über geschaffte Arbeit und Ergebnis groß.“

Was ist das Beste für Sie am Basar? „Samstag Abend, wenn alle Vorbereitungen zu Ende sind, noch einmal durch die Räume zu gehen und zu sehen: die Stände, die liebevoll aufgebaut sind – was ist aus dem Chaos der Wochen zuvor geworden „und siehe, es ist sehr gut“. Jede, jeder, der Lust hat mitzuarbeiten – und sei es auch nur für wenige Stunden – ist herzlich willkommen.“

 

Das Gespräch führte Gisela Leffmann

Auf dem Kirchplatz mit Willem F. Heins


Griffbereit ein Stapel von Liederbüchern und die Gitarre, Laptop hier und PC dort an einem mit Papieren bedeckten Arbeitsplatz – Willem Heins hat den Diakonraum aus seinem Dornröschenschlaf erweckt.

Nach Tätigsein sieht es hier aus, nach einem, der die Hemdsärmel aufkrempelt und seine Ideen in die Tat umsetzt, auch wenn er gerade heute am sommerlich heißen Tag im kurzärmeligen T–Shirt vor mir sitzt. Ein Diakon sei eben noch einiges mehr, lacht er, mit der Vorbereitung zur Norwegenfahrt beschäftigt, eben auch mal Werbefachmann, mal höherer Verwaltungsangestellter.

Aber welches Aufgabenfeld hat nun ein Diakon und was ist unserem Diakon besonders wichtig? Alles, was in der Gemeinde mit Kindern der verschiedenen Altersstufen und mit Jugendlichen zu tun hat. Für die Jüngeren gehört der Kindergottesdienst und die Bibelzeit in der Kita dazu, für die Älteren – zusammen mit dem Pastor – die Ausgestaltung des Konfirmandenunterrichts; für die älteren Jugendlichen wöchentliche Treffen, Freizeiten und Reisen.

Dabei ist ihm beides gleichermaßen wichtig, die Begleitung im Alltag und für den Alltag und auch die herausgehobene, festliche Veranstaltung. Und über allem steht, Kirche und den Glauben nahe zu bringen und als etwas Unmittelbares erlebbar werden zu lassen. Das mag er gern direkt ausdrücken: „Lust auf Glauben, Lust auf Kirche und Leben mit Gott wachsen lassen.“

Ihn selbst, so berichtet er auf Nachfragen, hat die Jugendarbeit in seiner damaligen Heimatgemeinde stark geprägt. Die Atmosphäre der Offenheit und des Verständnisses gab auch Anstoß, sich für diesen Beruf zu entscheiden.

Ihm ist es wichtig, dass Jugendliche in der Kirchengemeinde einen Ort haben, an dem sie sich entfalten können und gerne einbringen. Das bedeutet auch, dass er als Diakon nicht als ‚höhere Instanz‘ Ziele setzt, nach denen sie sich auszurichten haben. Denn eine lebendige Gemeinde entsteht vom Mitmachen und vom Gestalten vieler: Jüngerer und Älterer, fest Angestellter und Ehrenamtlicher miteinander und nebeneinander.

Gegenwärtig sind 10 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren dabei, sich in der einjährigen Ausbildung zur Teamerin oder zum Teamer ausbilden zu lassen, um weiterhin in der Gemeinde mit zu arbeiten.

Angesprochen auf die lange Liste von Hobbys in seiner Vorstellung (in Heft 7) zum Stichwort ‚Reisen‘: „Reisen und Begegnung, das kann gut zusammen passen. Wenn man äußerlich unterwegs ist, kann es auch leichter sein, sich innerlich auf zu machen, anderes an sich heran zu lassen und für Neues offen zu sein.“

Lust am Lesen, Bücher? Willem Heins lacht. Dazu komme er kaum. Wenn er mal Zeit hat, liebt er Bücher über Lebenswege von Menschen. Auch den Ausspruch von Johannes Rau: „Bibel und Zeitung!“ mag er. Beides sei eben wichtig: Zu erfassen, was um uns herum geschieht, und eben die Bibel.

Bibelfan?

Ein leidenschaftlicher! Und obwohl die Zeit schon überschritten war, sprudelten weitere Ideen. Er berichtete von dem Projekt ‚BibelwORTE‘ bei dem aus Alltagsorten Bibelorte wurden. Eine Feuerwache zum Beispiel oder eine Bäckerei oder vielleicht auch eine Entbindungsstation.

An diesen Orten waren Treffen vorbereitet, Lesungen von Texten aus der Bibel und parallel dazu von Texten mit unmittelbarem Gegenwartsbezug.

Was für eine anregende Idee, Herr Heins!


A. G.